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Sven Beuter

, 23 Jahre (staatlich anerkannt)

Am 15. Februar 1996 wurde der 23 Jahre alte Punk Sven Beuter in der Innenstadt von Brandenburg/Havel von einem Neonazi so brutal zusammengeschlagen und getreten, dass er fünf Tage später – am 20. Februar 1996 – im Krankenhaus an den Folgen seiner Misshandlungen stirbt.

„Tat an Brutalität kaum zu überbieten“

Den Abend des 15. Februar verbringt der 23-jährige Sven Beuter mit Freund*innen in seiner Wohnung. Als die Getränke ausgehen, verlässt Sven Beuter die Wohnung, um Bier kaufen zu gehen. Auf der Straße begegnet er dem betrunkenen Neonazi Sascha L., der Sven Beuter an seinem grünen Irokesen als Punk erkennt und ihn als „linke Zecke“ beschimpft. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung geht der Neonazi auf Sven Beuter los und schlägt mit voller Wucht auf ihn ein. Sven Beuter, der sehr klein ist und nur 48 Kilo wiegt, wird schnell bewusstlos. Der Täter lässt jedoch nicht von ihm ab und schleift den reglosen Körper etwa 50 Meter hinter sich her, wobei er eine lange Blutspur hinterlässt. Anschließend tritt und schlägt er weiter auf den bewusstlosen Sven Beuter ein und gibt erst auf, als zwei Passanten ihn überwältigen.

Die Polizeibeamt*innen kontrollieren zunächst die Personalien der Helfer, bevor sie einen Krankenwagen rufen. Der Rettungswagen bringt den völlig unterkühlten und schwer verletzten Sven Beuter ins Krankenhaus, wo die Rechtsmediziner Hirnquetschung, Schädelbrüche, Milz- und Leberrisse, Gehirnschwellung, Kieferbruch, eine sechs Zentimeter lange offene Wunde am Auge sowie zahlreiche Hämatome am ganzen Körper feststellen. Nach fünf Tagen Todeskampf im Koma stirbt Sven Beuter an den Folgen des Angriffs.

Der Punk Sven Beuter

Sven Beuter hatte eine schwere Kindheit und verbrachte Teile dieser in einem Heim. Er war Dachdecker und bestritt seinen Lebensunterhalt nach der Ausbildung mit Gelegenheitsarbeiten und Sozialhilfe. Er gehörte zur Metal- und Punkszene in Brandenburg, war als Punk erkennbar und wurde als solcher bereits vor seiner Ermordung zur Zielscheibe rechter Gewalt. 1993 schlagen ihn Neonazis mit einem Baseballschläger zusammen und fügen ihm einen Schädelbruch zu. Er wird so schwer verletzt, dass er in einer Klinik das Sprechen neu erlernen muss und eine bleibende geistige Beeinträchtigung davonträgt. 1994 greifen Neonazis ihn erneut an und verletzen ihn so schwer, dass sein rechter Arm steif bleibt.

Die Justiz benennt den Rechtsextremismus nicht

Der rechtsextreme Hintergrund der Tat wurde von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft in Potsdam acht Monate lang verschwiegen. Der Richter bescheinigte dem Täter lediglich eine „diffus faschistische Weltanschauung“, obwohl ein Zeuge im Prozess den Täter eindeutig der Neonazi-Szene zuordnete. Das Landgericht in Potsdam wertete die Tat trotzdem nicht als Mord, weil niedrigere Beweggründe „nicht mit der nötigen Sicherheit“ nachgewiesen werden konnten. Der Täter bekam eine Haftstrafe wegen Totschlags statt Mord.

Gedenken wird von der Zivilgesellschaft erkämpft

Das Erinnern an Sven Beuter beginnt kurz nach seinem Tod. Einen Monat nach dem Angriff versammelten sich Menschen in Brandenburg an der Havel zu einer ersten Demonstration. In den folgenden Jahren organisieren vor allem engagierte Initiativen Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen an seinem Todestag.

Erst 2007 – mehr als ein Jahrzehnt später – wurde am Ort der Tat eine Gedenkplatte von der Stadt Brandenburg verlegt. Sie trägt seinen Namen, seine Lebensdaten und die Bezeichnung als „Opfer rechter Gewalt“.

Beim Gedenkspaziergang für Sven Beuter im Jahr 2015 tauchte der Täter persönlich auf, um zu provozieren.

Eine offizielle Gedenkveranstaltung von Seiten der Stadt gibt es bis heute nicht. Das Gedenken an Sven Beuter geht auch 30 Jahre nach seinem Tod noch maßgeblich von der Zivilgesellschaft aus.

Mehr Infos: todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/sven-beuter/

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