Antisemitismus ist auf dem Vormarsch. Das zeigt sich nicht nur, aber auch in den stetig steigenden Zahlen antisemitischer Vorfälle. Antisemitische Einstellungen und Äußerungen treten zunehmend offener und ungehemmter zutage und sind in unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus präsent. Sie begegnen uns auf der Straße, im Internet, in politischen Debatten, am Stammtisch oder im Feuilleton. Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Situation für viele Jüdinnen*Juden in Deutschland weiter verschärft. Die Lage ist komplex und vielschichtig.
Um diese Entwicklungen sichtbar zu machen und einzuordnen, braucht es zivilgesellschaftliche Lagebilder. Sie ermöglichen eine Analyse, die konsequent die Perspektive der Betroffenen einnimmt, unabhängig arbeitet und zugleich Leerstellen staatlicher Erhebungen ergänzt. So wird sichtbar, was andernorts oft unberücksichtigt bleibt.
Unser zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus untersucht die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus - von historischen Kontinuitäten bis zu aktuellen Ausprägungen. Es fragt danach, welche Ausdrucksformen Antisemitismus heute annimmt, welche Auswirkungen er auf Betroffene hat, wie diese ihn wahrnehmen und was sich daraus über gegenwärtige Entwicklungen ablesen lässt.
Dafür veröffentlichen wir fortlaufend Artikel, Interviews und Beobachtungen aus der Praxis. So entsteht ein dynamisches Lagebild, das Entwicklungen zeitnah dokumentiert, einordnet und eine fundierte Einschätzung der aktuellen Situation ermöglicht. Die digitale Form erlaubt dabei eine multimediale Darstellung, die neben Texten auch Videos sowie weitere audiovisuelle Beiträge umfasst.
Unsere Perspektive ist dabei eng mit den Erfahrungen aus Vernetzungstreffen, Workshops und Veranstaltungen sowie dem Austausch mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur:innen der Antisemitismusbekämpfung verbunden. Besonders wichtig ist uns der Blick jüdischer Organisationen und Gemeinden auf Antisemitismus. Das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung macht jüdische Perspektiven sichtbar - nicht zuletzt, indem Jüdinnen*Juden selbst zu Wort kommen und ihre Lebensrealitäten in Deutschland abgebildet werden.